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Christoph Werner

Schloss am Strom
Roman


Schinkel kämpft in seinen Fieberträumen um die Vollendung seines Bildes "Schloss am Strom". Er durchlebt auf seinem Krankenbett noch einmal sein erfülltes und von krankmachendem Pflichtgefühl gezeichnetes Leben und die Tragik des Architekten und Künstlers, der sich zum Diener des Königs machen ließ

Thomas Delling

Thomas Delling

Florian Russi

Wenn man ihn freundlich, aber zielstrebig agieren sieht, würde man zunächst keinen Mathematiker in ihm vermuten. Doch wer die Stadt Hoyerswerda, deren Bürgermeister er seit 2001 ist, begreifen will, kommt ohne das Verständnis von Zahlen nicht zum Ziel. Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte Hoyerswerda 7000 Einwohner, nicht einmal zwanzig Jahre später waren es 70.000, also zehnmal so viele. Die Erschließung großer Braunkohlevorkommen und die Gründung des Energiekombinats „Schwarze Pumpe" zogen große Mengen von Arbeitskräften in die Stadt. Also musste gezählt, geplant und gerechnet werden. Nach der Wende in Deutschland waren dann erneut Zahlenexperten gefragt. Die Kohleenergiegewinnung brach ein, die Zahl der Einwohner halbierte sich nahezu, die Arbeitslosigkeit lag weit über dem Landesdurchschnitt und die Bewohnerzahl der Kommune schrumpfte. Wieder musste in Hoyerswerda streng gerechnet werden.

Als Thomas Delling sechsjährig mit seinen Eltern vom Erzgebirge nach Hoyerswerda zog, brachte er ein Vorbild mit. Seine Geburtsstadt Annaberg war auch die von Adam Ries, dem bedeutendsten Mathematiker des Mittelalters, der noch heute bemüht wird, wenn es heißt: „So muss das nach Adam Ries(e) gerechnet werden." Delling besuchte in Hoyerswerda die Erweiterte Oberschule, das heutige „Lessinggymnasium" und studierte anschließend Mathematik an der Technischen Universität in Dresden. Den Schwerpunkt seiner Ausbildung bildete  die Elektronische Datenverarbeitung. Seine Diplomarbeit schrieb er beim damals bedeutendsten Informatikexperten der DDR, Professor Nikolaus Joachim Lehmann (1921-1998). Nach dem Studium wurde er von der Arbeitsverwaltung zur heute wieder bestehenden Flugzeugwerft in Dresden dienstverpflichtet. Doch es drängte ihn zurück in seine Heimatstadt und so nahm er nach einen Jahr das Angebot an, Systemorganisator im Rechenzentrum des Bergbaubetriebes in Knappenrode zu werden.

Nebenbei engagierte er sich im Schachspiel. Schon im Alter von 17 Jahren war er Übungsleiter im Schachverein von Hoyerswerda geworden und gewann mit seinen Nachwuchsmannschaften viele DDR-Meistertitel und auch internationale Preise. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt wurde er Bezirksnachwuchstrainer und in der Wendezeit Vizepräsident des Deutschen Schachbundes in der DDR. Als im Jahr der Wiedervereinigung am Gründungsort Leipzig die Fusion des Deutschen Schachverbandes vollzogen wurde, wählten die Delegierten Thomas Delling auch in dessen Präsidium.

Anfang 1990 wurde Delling, der in der DDR keiner Partei angehört hatte, Mitglied der SPD. Bei den im Mai darauf folgenden Kommunalwahlen wurde er in den Kreistag des damaligen Landkreises Hoyerswerda gewählt und zum Stellvertretenden Landrat berufen. Es war eine Zeit der Wagnisse, der Kreativität und Inspiration. Weder waren seine Aufgaben und Befugnisse klar geregelt noch sein Arbeitsverhältnis, sein Gehalt, seine Zukunft. Delling nahm es als Herausforderung an und ließ sich auch nicht entmutigen, wenn ihm im Landratsamt von Gütersloh, dem westlichen Partner-Landkreis von Hoyerswerda immer wieder höchst bedenklich versichert wurde: „Um das zu erreichen, brauchen Sie mindestens zehn Jahre."

In kaum einem anderen Gebiet der ehemaligen DDR kam es zu solch durchgreifenden Strukturveränderungen wie in Hoyerswerda. Die Stadt und ihr Umfeld schienen perspektivlos zu sein und rückten nur durch einige rechtsradikale Ausschreitungen ins bundesweite Interesse. Delling blieb jedoch beharrlich. Immer wieder hebt er im Gespräch hervor, dass es über alle Parteigrenzen hinweg eine hohe Solidarität unter den Bürgern der Stadt gab. Man kannte sich durch gemeinsamen Schulbesuch, Sport- oder Kulturvereine. Alle hatten den gemeinsamen Willen, die Stadt und ihren Umkreis lebenswert zu erhalten.

Zwei Kommunalreformen schafften dann strukturelle Klarheit. Hoyerswerda wurde Mittelstadt innerhalb des neuen Landkreises Bautzen und Delling wurde Bürgermeister der Stadt mit dem Aufgabenfeld Kommunale Dienstleistungen. Was die Entwicklungsmöglichkeiten Hoyerswerda betrifft, bleibt er ein Mann nüchterner Analysen und Berechnungen. Zugleich springt aber auch ein sympathischer Optimismus von ihm über, wenn er davon spricht, dass Hoyerswerda zu einem Zentrum der Lausitzer Seenlandschaft werden kann. Aus gefluteten Braunkohleabraumgebieten entstehen Hunderte von Seen und könnten die Region zu einer touristischen Attraktion werden lassen. Ob es gelingt? Darin bin ich mir sicher. Die anmutige Landschaft mit Ihren hübschen Ortschaften, die Geister des Lausitzer Sagenhelden Krabat und des Computererfinders Konrad Zuse - der in Hoyerswerda lebte und zur Schule ging - und Persönlichkeiten wie Thomas Delling werden es gemeinsam richten.

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Fotos: Thomas Delling (1), Florian Russi (1)