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Der Bronstein-Defekt

und andere Geschichten 

Christoph Werner

"Ich stellte bald an mir selbst die Verführung durch Zählen und Auswerten fest und empfand die Wonne, Gesetzmäßigkeiten bei gewissen Massenerscheinungen festzustellen. Nichts war vor mir sicher. Als erstes machte ich mich über die Friedhöfe her..."

Eis-Uli

Kultfigur in Hoyerswerda

Wenn es auf Kinder- oder anderen Festen in Hoyerswerda heißt: „Hallo, der Eis-Uli kommt", dann hört man sofort die Jubelrufe der Feiernden. Eis-Uli mit seinem kleinen Gefährt wird dann schnell zu einem Höhepunkt des Festes. Es hat sich herumgesprochen, dass es in Hoyerswerda ein leckeres und selbstgemachtes Eis zu kaufen gibt. Damit ists aber nicht genug, die Eisbällchen werden von einem Sympathieträger eingetütet, der in der Stadt schon zur Kultfigur geworden ist.

Als nach der Einweihung der Märchenbühne im Kinderheim in Hoyerswerda dessen Leiterin ankündigte, dass der „Eis-Uli" erwartet werde, da war den meisten Zuschauern und vor allem den vielen beteiligten Kindern klar, dass den wundervollen Märchendarbietungen nun eine kühle Belohnung folgen würde. Es gab Vanille-, Schokolade-, Kirsch- und Pistazieneis und auf keiner Portion durfte das kleine zusätzliche „Häubchen" fehlen, das für Eis-Uli zum Kult gehört.

Eis-Uli unterhält sich gerne mit seinen Kunden, geht auf ihre Wünsche ein und hat dafür passende Sprüche parat. Auch hat er immer einige Witze auf Lager. Die sind oft etwas derb, aber wenn Uli sie mit Unschuldsmiene, dazu noch mit Oberlausitzer Zungenschlag, zum Besten gibt, klingen sie harmlos und in keinem Fall verletzend. 

Auf seinem Eiswagen ist ein Herz aufgeklebt, bekannt von der Aktion „Ein Herz für Kinder". Das hat Eis-Uli offensichtlich. Die Kinder lieben ihn, nicht nur wegen seinem Eis, sondern auch wegen seinem freundlichen Auftreten und seiner Zugewandtheit. Der Eismann ist zugleich ein Schausteller und hat das Herz auf dem rechten Fleck.  

Nicht immer war der zierliche Uli der Mann mit dem Eis. Zu Zeiten der ehemaligen DDR, als Hoyerswerda doppelt so viele Einwohner hatte wie heute und eine Vorzeigestadt der Energieversorgung und des realen Sozialismus war, arbeitete er als Kraftwerker im Kombinat „Schwarze Pumpe". Im Jahr 1998 wurde Ulrich Gbureck, so sein voller Name, nach 35jähriger Dienstzeit mit 50 Jahren arbeitslos. Für das Eisgeschäft gewann ihn dann ein Italiener, den er zufällig kennenlernte. Als der plötzlich von der Bildfläche verschwand, führte Uli das Geschäft weiter und baute es noch aus. Leute wie er sind eine Gewinn für jede Gesellschaft. In Zukunft werde ich Hoyerswerda nicht nur mit Krabat, der Fürstin von Teschen, dem Computererfinder Konrad Zuse, der Dichterin Brigitte Reimann und klugen Bürgermeistern, sondern auch dem freundlichen Eismann Uli in Verbindung bringen.

 

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Fotos: Florian Russi