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Weihnachten bei Familie Luther

Christoph Werner

Luthers jüngster Sohn erzählt vom Christfest

Paul Luther, der jüngste Spross der Lutherfamilie, gewährt dem Leser Einblick in sein Leben und das seiner Familie.
Er berichtet von seiner Kindheit in Wittenberg und der Krankheit seines Vaters, von seiner Verwicklung, die ihm als Leibarzt widerfuhren, und von den Intrigen am Gothaer Hof. Reichlich illustriert öffnen sie dem Leser die Tür zur Weihnachtsstube der Familie Luther.

Die Murawa

Die Murawa

Alexander Walther

Die Murawa

Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr, 1802.
Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr, 1802.

Murawa ist die wendische Bezeichnung für einen Nachtalb, ein Wesen der nordischen Sagenliteratur, dass in ihrem Ursprung als Mahr bezeichnet wurde und sich dadurch kennzeichnen lässt, dass es Menschen zur Nacht heimsucht und Angstzustände, Atemnot oder gar den Tod auslösen kann. Unklar erscheint die genaue Bezeichung für eine Murawa, allerdings scheint die Bezeichnung Albtraum zutreffend zu sein. Insbesondere die Literatur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeigt deutlich, dass Murawa sowohl ein hexen- als auch teufels- und alptraumartiges Wesen dargestellt hat. Folgt man dem germanischen Ursprung des Wortes Murawa, was sich von dem Wort Mahr bzw. mehr herleiten lässt, dann erhält man die Bedeutung "zerstoßen", was auf den destruktiven Charakter der Murawa und die damit verbundene Angst der Menschen erklären könnte. Es lassen sich verschiedene Aufzeichnungen der Überlieferung der Murawa-Saga im Wendischen finden. Für die Region Hoyerswerda und andere Städte wendischer Prägung hat Edmund Veckenstedt im Jahr 1880 verschiedene Versionen publiziert. Ob die Murawa noch heute in der wendischen Bevölkerung verbreitet bzw. bekannt ist, lässt sich aus der Literatur leider nicht erkennen. Aufgrund der Vielzahl an überlieferten Geschichten zur Murawa dürfte diese Sagenfigur allerdings weit verbreitet gewesen sein.

Literaturauswahl:

Gebrüder Grimm, Der Alp, in: Deutsche Sagen, Bd. 1, Berlin 1816, S. 130-132.

Cubasch, Woldemar, Der Alp, Berlin 1877.

Strahl, Moritz H., Der Alp. Sein Wesen und seine Heilung, Berlin 1833.

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"Bei den Wenden im Spreewald erscheint der Nachtalp, dort Murawa genannt, manchmal in Gestalt einer kleinen weißen Maus, die den Schlaf stört und folglich nicht willkommen ist. Kinder soll man auch nie mit offenem Munde schlafen lassen, weil sonst ihre Seele in Mausgestalt entschlüpft und sie sterben müssen. Das nächtliche Nagen der Mäuse an Kleidern und Betten zeigt einen baldigen Todesfall an."

aus: Knortz, Karl, Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur, Annaberg 1913, S. 155.

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"Die Mare des englischen Gebrauchs kann keine andere als die an der Spitze der Elben ziehende Holda oder Berhta sein, an deren Stelle in den Zwöften ja auch die Murraue tritt, und Murawa heißt bei den Wenden der Alp."

aus: Kuhn, Adalbert/Schwartz, Wilhelm (Hrsg.), Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Mecklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen. Aus dem Munde des Volkes gesammelt, Leipzig 1848, S. XXIIIf.

Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr, ca. 1781.
Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr, ca. 1781.

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"Die Murawa und Mara in der Lausitz" 

Die Murawa ist dasselbe, was man in der deutschen Mythologie den Alp nennt. Man stellt sich denselben in der Gestalt einer Frau vor, die den Menschen im Schlafe peinigt, und sich zuweilen wie eine schwere Last auf ihn legt, daß sie weder athmen noch sprechen können. Sie ist demnach eigentlich eine Nachtwandlerin, erscheint aber auch dann bei Tage, wenn es während des Sonnenscheins regnet. Zu dieser Zeit flattert sie als Schmetterling von aschgrauer Farbe, den man im Wendischen demgemäß auch Khodojta (Hexe) nennt, umher, und nimmt die Gelegenheit wahr, wie sie etwa Jemandem schaden könne. Die Mara dagegen wird bald als Krankheits-, bald als Todesgöttin betrachtet. Sie pflegt sich zu zeigen, wenn eine Seuche einer Ortschaft naht, man kann dieser aber den Eingang wehren, wenn man die Dorfmark mit drei Pflugfurchen umzieht. Auf dem Kotmar- oder Hochberge dagegen erscheint sie in anderer Weise, denn sie soll dort zur Mittagsstunde herumwandeln und Alles fruchtbar und die Kräuter wachsend machen. Daher pflegten die Wenden ehedem Wallfahrten dorthin zu unternehmen, und sie durch angezündete Feuer, gekochte Milch und Kräuter zu ernähren, damit sie ihr Vieh beschütze etc. Uebrigens kennen die Lausitzer noch eine andere Todesgöttin, die Smertnitza, die sie sich als eine blasse, aber wohlgebildete und weißgekleidete Frau denken, welche sich vor oder in einer Behausung zu zeigen pflegt, wo innerhalb dreier Tage Jemand sterben soll."

aus: Grässe, Johann Georg Theodor, Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Bd. 2, Dresden 1874, S. 202f.

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"Die Murawa erscheint oft als ein vierbeiniges Thier, welches einem Frosch gleicht."

"Eine Frau wurde oft von der Murawa geplagt, allein so Vielen sie auch daovn erzählte, Niemand konnte ihr helfen. Endlich kam einmal eine alte Frau, welche ihre Hülfe versprach. Dieselbe setzte sich, als sich die Frau schlafen gelegt hatte, an das Bett. Bald bemekrte sie, dass die Frau von der Murawa geplagt werde. Nach einiger Zeit fing die Frau an, ruhiger zu schlafen. Da sah die alte Frau, wie sich ein Frosch durch die Hüfte der Schlafenden arbeitete. Sei ergriff das Thier und setzte es in ein Glas mit Wasser, darauf band sie das Glas zu. Gegen Morgen wurde der Frosch steif und starb: zur derselben Zeit starb auch die Nachbarin der Frau, welche also die Murawa gewesen war."

"Die Murawa pflegte oft ein Mädchen zu plagen. Als es das ihrem Vater klagte, gab dieser seiner Tochter ein Essen, welches halb aus Erbsen, halb aus Salz bestand. Gleich darauf gab das Mädchen eine alte und sieben junge Schlangen von sich: seit der Zeit blieb es von der Murawa verschont."

"Ein Fleischer- und ein Bäckergesell wanderten einst in die Fremde. Der Bäcker wurde bald matt, da er brustkrank war, legte sich hin und schlief ein. Der Fleischer wusste nichts Besseres zu thun, und folgte seinem Beispiel. Es währte aber nicht lange, so wurde er munter; er bemerkte, wie sein Mitgesell stöhnte und sich im Schlafe hin und her wand. Indem er noch auf den Schlafenden blickte, sah er, wie eine Schlange aus dem Munde desselben kroch. Die Schlange war ganz schleimig und schlug im Grase mit dem Schwanz hin und her, bis sie trocken war. Darauf kroch sie zum zweiten Male in den Mund des Schlafenden und wieder stöhnte und wand sich dieser. Als sie darauf wieder aus dem Mund desselben herausgekrochen kam, erschlug sie der Fleischer. Der Bäcker wachte nach einiger Zeit auf. Er fühlte sich gesund und munter, und litt fortan nicht mehr an der Brust. also muss die Schlange die Murawa gewesen sein."

"Die Murawa befiel als Schlange ein Mädchen und zwang dasselbe, sie mit Milch zu füttern. Der Vater des Mädchens bekam es endlich weg, belauschte das Treiben der Schlange und erwürgte sie. Seit der Zeit wurde das Mädchen von der Murawa nicht mehr belästigt."

aus: Veckenstedt, Edmund, Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche. Reprint des Originals von 1880, Paderborn 2011, S. 137f.